
Heute am 1. Oktober 2016 feiert das Allgäuer Hausbauunternehmen Baufritz offiziell sein 120-jähriges Jubiläum. Ein guter Zeitpunkt für den Haushersteller innovativer Ökohäuser mit gesundheitszertifiziertem Wohnklima auf eine bewegte Firmengeschichte zurückzublicken. Zum Jubiläum lud das Unternehmen vorab zu einer Zeitreise durch die Unternehmensgeschichte ein, die gleichzeitig ein Blick auf die Entwicklung des Holzbaus im Allgemeinen und der ökologischen Aspekte im Besonderen ist. Also eingestiegen in den Zeitreise-Bus und los geht es zurück zu den Anfängen – eine spannende Erfolgsgeschichte beginnt!
Ökohaus-Pionier Baufritz feiert 120-jähriges Jubiläum. Klick um zu Tweeten
Sylvester Fritz, der mit der Gründung einer kleinen Dorfzimmerei 1896 den Grundstein legte, hätte sich diese Entwicklung sicher nicht zu träumen gewagt. Aus der Zimmerei, die ursprünglich Dachstöcke fertigte, ist über die Jahrzehnte ein Mittelstandsunternehmen erwachsen, das über die Landesgrenzen hinaus ökologische Architektenhäuser verkauft. Eng verbunden mit der Unternehmensgeschichte ist die Familienchronik, denn bei Baufritz wird die Liebe zum Holz, zur Natur und den Menschen in allen Facetten gelebt.

Zuerst wurden nur Ferienhäuser aus Holz gebaut.
Interessant ist, mit wie viel Beharrlichkeit und Energie und letztendlich auch Erfolg Baufritz nicht nur streng ökologische und wohngesunde Häuser errichtet, sondern auch das ganze Unternehmen bis in alle Bereiche konsequent nachhaltig ausrichtet. Das angenehme Raumklima spürt man bereits beim Betreten des Verwaltungsgebäudes. Egal wo man hinschaut, jedes Detail ist ökologisch durchdacht. Die Pressseunterlagen sind natürlich auf Umweltpapier gedruckt und selbst der Kugelschreiber sowie der Memostick sind mit Holzhülle. In meiner Nachhaltigkeits-Serie habe ich beschrieben, dass Nachhaltigkeit keine Marketing-Instrument ist, sondern eine Haltung. Diese Haltung kommt bei Baufritz sicherlich aus der regional geprägten und im Holzbau verwurzelten Familiengeschichte.

Vom Innern des Ferienhauses hat man eine fantastischen Ausblick in den Garten.
Der Grund für die komplette und zielstrebige gesundheitsbewusste Ausführung der Häuser und der Produktion ist ein ebenso einschneidendes wie trauriges Familienereignis. Ein Krebsleiden und der Tod von Gerti Fritz, Mutter der heutigen Firmenchefin Dagmar Fritz-Kramer, war Ende der 80er der Grund und der Antrieb, hundertprozentig wohngesunde Gebäude zu bauen. Die Erkrankung war nämlich nachweislich auf giftige Baustoffe und Farben zurückzuführen. Da es in vielen Bereichen noch keine unbedenklichen Lösungen und Produkte gab, fing Hubert Fritz an, eigene Lösungen zu entwickeln. So verwendet Baufritz beispielsweise eine selbst entwickelte Bio-Dämmung aus Holzspänen. Den Brandschutz gewährleistet eine Mischung aus Molke und Soda. Der natürliche Baustoff ist der erste Cradle-to-Cradle Gold zertifizierte Dämmstoff.
Baufritz verwendet eine eigene Bio-Dämmung aus Holzspänen. Klick um zu TweetenDoch nun zurück zur Zeitreise, die für mich am Montag, den 26.9. um 16.00 Uhr begann. Stilgerechtes Fortbewegungsmittel ist ein schnittiger Mercedes-Bus Baujahr 1963. Der Charme vergangener Zeiten holt einen sofort ein und los geht die Fahrt. Das Ferienhaus, das wir als erstes besuchen ist allerdings noch einiges älter als der Bus, es ist im Jahre 1932 in einer Woche errichtet worden. Bevor es Wohnhäuser zu kaufen gab, waren diese Ferienhäuser im Angebot des Zimmerei-Betriebs. Zimmerer Otto plaudert aus vergangenen Tagen als er und seine Kollegen noch alles von Hand und ohne technischen Hilfsmittel schaffen mussten. Für solch ein Ferienhaus waren fünf bis sechs Leute beschäftigt. Johann Fritz führte damals das Regiment und Dagmar Fritz-Kramer erzählt schmunzelnd eine Anekdote ihres Großvaters, die man sich heute noch erzählt. Der Großvater habe die Lehrlinge dazu angehalten, auf der Baustelle schnell zu laufen und dies auch mit ihnen im Werk geübt. Denn die Abrechnung mit den Kunden geschah nach Zeitaufwand und es sollte der Eindruck entstehen, dass keiner Zeit vertrödelt.

Jedes Haus wurde von den Besitzern individuell gestaltet.
Das Ferienhaus steht auf einem gut eingewachsenen großzügigen Grundstück. Betritt man diese Idylle, verfällt man sofort in Erholungsmodus und Urlaubsfeeling macht sich breit. Die stolzen Besitzer empfangen uns strahlend und wir sind uns einig – hier würden wir sofort bleiben. Im gepflegten Ferienhaus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Übereinander liegende Schlafkojen warten auf Übernachtungsgäste und der gemütliche Arbeitsplatz mit traumhaftem Blick in den Garten lädt zum Verweilen ein. Beschwingt kehren wir dem Ferienhaus-Idyll nach der Besichtigung den Rücken und steigen wieder in unser historisches Gefährt.

Das Junge Dorf bietet ein soziales Gefüge, dem der Einzelne sich anschließen kann. Foto: Baufritz
Nächstes Ziel ist das “Junge Dorf” in Erkheim, das 1994 gebaut wurde. Mit Blick auf die gesellschaftichen Entwicklungen konzipierte Baufritz in planerischer Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ing. Karl Hartisch von der Fachhochschule Rosenheim neun Häuser, die um einen zentralen Platz angeordnet sind. Den Hintergrund bildeten die stark veränderten sozialen Strukturen innerhalb der Gesellschaft. Die Großfamilie, in der Aufgaben und Verantwortungsbereiche geteilt wurden, gibt es nicht mehr. Immer mehr Menschen leben alleine und daraus ergibt sich ein sehr starker Wunsch nach mehr Kommunikation. Das “Junge Dorf” soll “Menschen zueinander bringen“. Der Einzelne kann und muss sich ein Stück weit auch einbringen. Denn die Gemeinschafts-Einrichtungen erforden ein “Wir-Denken“. So gibt es nur eine zentrale Heizung für alle, den zentralen Platz angelehnt an frühere Dorfanger und kein Grundstück ist eingezäunt. Die Bewohner sollen individuell wohnen, sich aber auch als Teil der Gemeinschaft fühlen – so das angestrebte Ziel. Nach 22 Jahren finden wir bei unserem Besuch im “Jungen Dorf” eine gewachsene Wohngemeinschaft vor. Die Häuser strahlen in unterschiedlichen Farben, jeder Garten ist liebevoll und individuell gestaltet, in der Feuerstelle auf dem zentralen Platz zeugt frisch abgebranntes Holz vom letzten Grillabend und es herrscht eine beschauliche Ruhe. Zwei Bewohnerinnen sitzen in ihrem Garten und strahlen um die Wette als ich sie auf ihr schönes Zuhause anspreche. In der Zwischenzeit ging das ein oder andere Haus bereits in die zweite Generation über. Das Samenkorn wächst also weiter.

Das zweite “Junge Dorf” im wesentlich moderneren Look. Foto: Baufritz
Heute gibt es bereits ein zweites “Junges Dorf”, dass 2015 in Leutkirch eröffnet wurde. Erinnert das erste “Junge Dorf” in positiver Weise an die gemütliche Beschaulichkeit in Ökomanier, wirkt das zweite “Junge Dorf” wie aus einer anderen Welt. Auf dem Gelände eines alten Bauerhofes, stadtnah und doch allein, errichtete eine Bauherrengemeinschaft um Architekt Edwin Heinz mit Baufritz eine Gruppe aus sechs Einfamilienhäusern sowie einem Haus mit zwei Wohnungen. Auch bei diesem Projekt geht es um das Miteinander und um ökologisches Wohnen. Das Ergebnis mit den Flachdächern und den einheitlichen grauen Fassaden wirkt geradezu futuristisch gegenüber der fröhlichen Ökohaus-Siedlung. Wir erleben diese Kontraste, über die Bilder der neueren Variante, die im “Jungen Dorf” von 1994 aufgestellt sind. Was im Kern so ähnlich ist, nämlich ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in ökologischer Bauweise, könnte in der Außenwirkung unterschiedlicher nicht sein. Das ist Holzhausbau heute – flexibel, individuell und innovativ.

Auch im Marienhof wurden die Häuser um einen zentralen Platz angeordnet. Foto: Baufritz
Lebhaft über die Eindrücke diskutierend steigen wir wieder ein in unseren tollen Oldtimer-Bus mit Panoramafenstern ein. Weiter zum nächsten spannenden Projekt aus dem Jahr 2015: Ein wohngesundes Mehrfamilienhaus. Drei miteinander verbundene Gebäude zeigen, wie generationenübergreifendes Wohnen wohngesund und nachhaltig gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt sollten gezielt weibliche Aspekte stehen, deshalb lud das Unternehmen zu einem speziellen Architektinnen-Workshop ein.
Ein Mehrgenerationenhaus unter weiblichen Aspekten geplant. Klick um zu TweetenDas Resultat: großzügige Eingangsbereiche, weite und helle Flure, Platz für Kinderwägen und Gemeinschaftsterrassen. Der Wunsch nach einem lebhaften Mehrgenerationenwohnen unter einem Dach hat sich erfüllt. Beim Betreten des Grundstücks hüpfen Kinder fröhlich plappernd in einem Trampolin, das junge Pärchen gegenüber zeigt uns ihr schönes Reich, zwei ältere Hausbewohnerinnen starten gemeinsam zum Walken: “Wir motivieren uns gegenseitig”. Der Single aus der Dachwohnung passt manchmal auf den Hund der Familie aus dem Erdgeschoss auf und bei einem anderen Bewohner hat sich seit Einzug sogar sein Asthma verbessert. Ein direktes Indiz, dass ein nachhaltig wohngesundes Gebäude Einfluss auf das Wohlbefinden der Bewohner hat.

In drei verbundenen Gebäuden leben Jung und Alt miteinander. Foto: Baufritz
Interesant ist auch, dass alle neun Wohnungen einen separaten Eingang haben, der über außen liegenden Treppen zugänglich ist. “Wir wollten das Gefühl des eigenen Hauses in die Wohnungen bringen”, beschreibt Dagmar Fritz-Kramer das Konzept. Der gesamte Komplex ist zudem barrierefrei und mit einem Aufzug ausgestattet. Eine Fahrradstation mit Ladestation für das E-Bike gibt es ebenfalls und seit Kurzem steht auch ein Elektroauto zur gemeinsamen Nutzung vor der Tür. Das Carsharing-Modell soll eine weitere Verbindung zwischen den Bewohnern schaffen. Wer ein Auto besitzt, kann dies in Carports entlang der Straße parken. Auch dies ist ein Ergebnis des weiblichen Planungsansatzes, denn Frauen fühlen sich meist in dunklen, verwinkelten Tiefgaragen nicht wohl. Aus diesem Grund gibt es bei diesem Projekt gar keine.

Jede Wohnung hat eine eigene Eingangstür, die von außen zugänglich ist. Foto: Baufritz
Nach diesem Besichtigungspunkt, über den man alleine noch viel erzählen könnte, steuern wir mit dem prägnanten Holzkopf das letzte Ziel unserer Zeitreise an. Der Holzkopf ist 1996 zum 100-jährigen Bestehen errichtet worden und ist vielen ein bekanntes Wahrzeichen auf der Fahrt auf der A96. Warum dieser Holzkopf? Das haben sich sicherlich schon viele gefragt. Dazu hat man bei Baufritz eine nette Geschichte zu erzählen: Bei einer Planungssitzung fiel der Satz: “Fällt Euch Holzköpfen denn gar nichts ein!” – der Holzkopf war geboren. Oben in luftiger Höhe kann man den gesamten Firmensitz überblicken, der auf beiden Seiten der Autobahn liegt. Ein Tunnel verbindet das Firmengelände. Der überdimensionierte Holzkopf soll als Mahnmal von weit her zu sehen sein. Es muss sich etwas ändern in der Branche. “Im Bauen muss ein Umdenkprozess stattfinden”, so die nachdrückliche Forderung der Baufritz-Geschäftsführerin. Wie das Bauen der Zukunft aussehen könnte, zeigt das Konzepthaus “Haussicht”, das Baufritz mit dem Schweizer Designer Alfredo Häberli entwickelt und gebaut hat. Aber das zeige ich Euch in einem weiteren Blog-Artikel. So viel verrate ich schon mal: man darf gespannt sein. Wer nichts verpassen will, kann sich gleich in meinen Newsletter eintragen.


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